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Bürgernotfunk: Eine praxisnahe Einführung für interessierte Bürger ohne technische Vorkenntnisse

  • Bürgernotfunk ist eine ergänzende Kommunikationsmöglichkeit für Notfälle, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen.
  • Er ist kein Ersatz für den offiziellen Notruf 110/112, sondern unterstützt die lokale Kommunikation und Selbsthilfe.
  • In Deutschland sind lizenzfreie Funkdienste wie PMR446, FreeNet und CB-Funk für Bürger zugänglich, mit unterschiedlichen Reichweiten und Einsatzbereichen.
  • Die Nutzung unterliegt gesetzlichen Regelungen der Bundesnetzagentur, insbesondere hinsichtlich Frequenzen und Sendeleistung.
  • Praxisnahe Geräteempfehlungen und einfache organisatorische Maßnahmen ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg in den Bürgernotfunk.

In einer zunehmend vernetzten Welt sind wir im Alltag auf digitale Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone und Internet angewiesen. Doch was passiert, wenn diese Infrastrukturen ausfallen – sei es durch Stromausfälle, Naturkatastrophen oder technische Störungen? Gerade in solchen Krisensituationen ist eine zuverlässige Kommunikation lebenswichtig, um Hilfe zu organisieren und Informationen auszutauschen. Hier setzt der Bürgernotfunk an: ein dezentrales, funkbasiertes Kommunikationssystem, das von Bürgern genutzt werden kann, um im Notfall miteinander in Kontakt zu bleiben.

Anders als der professionelle BOS-Funk (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist der Bürgernotfunk eine ergänzende, bürgerorientierte Kommunikationsebene. Er dient nicht als Ersatz für die offiziellen Notrufe 110 oder 112, sondern als zusätzliche Möglichkeit, um lokal Hilfe zu organisieren, Informationen weiterzugeben oder einfach den Kontakt zu Nachbarn und Freiwilligen aufrechtzuerhalten. Die Nutzung von Funkgeräten im Bürgernotfunk ist in Deutschland gesetzlich geregelt, insbesondere durch die Bundesnetzagentur, die Frequenzen und Sendeleistungen überwacht.

Die folgenden Abschnitte erklären verständlich, wie Bürgernotfunk funktioniert, welche technischen Grundlagen wichtig sind, welche Funknetze und Geräte für Bürger geeignet sind, und wie man diese im Notfall sinnvoll einsetzt.

Technische Grundlagen des Bürgernotfunks

Funktionsweise von Funkkommunikation

Funkkommunikation ermöglicht die drahtlose Übertragung von Signalen über elektromagnetische Wellen. Im Gegensatz zu Mobilfunknetzen, die auf eine komplexe Infrastruktur angewiesen sind, funktioniert der Bürgernotfunk direkt von Gerät zu Gerät – ohne Vermittlung über Mobilfunkmasten oder Internet. Dies macht ihn besonders robust in Krisensituationen, in denen Mobilfunknetze überlastet oder ausgefallen sind.

Die Reichweite eines Funkgeräts hängt von mehreren Faktoren ab: der Sendeleistung, der Frequenz, der Antenne und den Umgebungsbedingungen. Grundsätzlich gilt: je niedriger die Frequenz, desto weiter kann das Signal unter günstigen Bedingungen reichen. Allerdings sind niedrige Frequenzen auch anfälliger für Störungen und benötigen längere Antennen.

Reichweiten und Frequenzbänder

In Deutschland sind für den Bürgernotfunk vor allem drei lizenzfreie Frequenzbereiche relevant:

  • PMR446: Funkt im UHF-Bereich (446 MHz), mit einer maximalen Sendeleistung von 0,5 Watt. Die Reichweite beträgt typischerweise 1 bis 5 km, in städtischen Gebieten oft weniger.
  • FreeNet: Nutzt das VHF-Band (149 MHz) mit bis zu 1 Watt Sendeleistung. Reichweiten von 3 bis 5 km sind möglich, in bebauten Gebieten etwas besser als PMR446.
  • CB-Funk: Arbeitet im 11-Meter-Band (27 MHz) mit bis zu 4 Watt Sendeleistung. Reichweiten von 10 bis 30 km sind möglich, besonders mit externen Antennen.

Die tatsächliche Reichweite hängt stark von der Umgebung ab: In ländlichen Gebieten mit freier Sicht sind größere Reichweiten möglich, während in Städten Gebäude und andere Hindernisse die Signalausbreitung stark einschränken.

Warum Funkgeräte im Notfall nützlich sind

Im Gegensatz zu Smartphones, die bei Stromausfall oder Netzüberlastung oft nutzlos sind, funktionieren Funkgeräte unabhängig von Mobilfunknetzen und Internet. Sie benötigen lediglich Batterien oder Akkus und können direkt miteinander kommunizieren. Dies macht sie zu einem wichtigen Werkzeug für die lokale Selbsthilfe und Kommunikation in Krisensituationen.

Vergleich der Bürgernetze: PMR446, FreeNet und CB-Funk

KriteriumPMR446 (UHF)FreeNet (VHF)CB-Funk (HF)
Frequenzbereich446,0 – 446,2 MHz149,025 – 149,1125 MHz26,565 – 27,405 MHz
Max. Sendeleistung0,5 Watt1,0 Watt4 Watt
Reichweite1–5 km (städtisch), bis 10 km (freies Feld)3–5 km (besser in bebauten Gebieten)10–30 km (mit externer Antenne)
GenehmigungspflichtNeinNeinNein
Kosten20–150 € pro Gerät100–200 € pro Gerät100–300 € pro Gerät
Technische VoraussetzungenKeine, fest verbaute AntenneWechselbare Antenne möglichWechselbare Antenne, oft größere Geräte
Typische EinsatzszenarienFamilienkommunikation, lokale Notfälle, IndoorLokale Notfallnetze, Outdoor-AktivitätenFernverkehr, ländliche Gebiete, große Veranstaltungen
Vor- und Nachteile+ Einfach zu bedienen, kompakt, günstig
  • Begrenzte Reichweite, wenige Kanäle (16) | + Robuster in bebauten Gebieten, bessere Reichweite als PMR446
  • Wenige Kanäle (6), geringere Verbreitung | + Sehr große Reichweite, viele Kanäle (80)
  • Größere Geräte, teurer, störungsanfälliger | | Rechtliche Besonderheiten | Nur für private Nutzung, keine Verschlüsselung erlaubt | Nur für private Nutzung, keine Verschlüsselung erlaubt | Nur für private Nutzung, keine Verschlüsselung erlaubt |

Diese Tabelle zeigt, dass jeder Funkstandard spezifische Vor- und Nachteile hat. PMR446 ist besonders einfach und günstig, eignet sich aber nur für kurze Distanzen. FreeNet bietet eine etwas bessere Reichweite und ist weniger störungsanfällig in bebauten Gebieten, ist aber weniger verbreitet. CB-Funk ermöglicht sehr große Reichweiten und ist vielseitig einsetzbar, erfordert aber oft größere Geräte und ist teurer.

Geräteempfehlungen für den Einstieg

PMR446-Geräte

  • Motorola TALKABOUT T82 Extreme: Reichweite bis 10 km (optimal), VOX-Funktion, spritzwassergeschützt, ca. 75–140 €. Ideal für Outdoor- und Eventmanagement.
  • Midland G9 Pro: Robuste Bauweise, Notruffunktion, IPX5-Zertifizierung, ca. 80–90 €. Gut für Sicherheitsdienste und Baustellen.
  • Kenwood TK-3501E: MIL-STD 810G, stoßfest, lange Akkulaufzeit, ca. 120–140 €. Für professionelle Anwender.

FreeNet-Geräte (DMR/P25)

  • Baofeng DM-1801: Einsteigerfreundliches digitales Funkgerät, Reichweite bis 5 km, ca. 100–120 €.
  • TYT MD-380: Kompakt, einfache Bedienung, gute Sprachqualität, ca. 100–120 €.

CB-Funk-Geräte

  • Alan 42: Klassisches CB-Funkgerät, 4 Watt, wechselbare Antenne, ca. 150–200 €.
  • Midland Alan 42 DS: Mobilgerät mit hoher Reichweite, 4 Watt, ca. 120–130 €.

Hinweis: Alle Geräte müssen die CE-Kennzeichnung tragen und dürfen nur mit den in Deutschland zugelassenen Sendeleistungen betrieben werden. Die Nutzung von Geräten ohne Zulassung oder mit erhöhten Sendeleistungen ist illegal und kann Störungen verursachen.

* Bitte bei allen Geräten beachten, dass es sich um eine theoretische Reichweite handelt. So können Gebäude die Reichweite strak mindern!

Praktische Tipps für den Einsatz

Home » Bürgernotfunk: Eine praxisnahe Einführung für interessierte Bürger ohne technische Vorkenntnisse
  • Kanalabsprachen: Vorab festgelegte Kanäle nutzen, um Chaos zu vermeiden.
  • Funkdisziplin: Klare Sprechregeln vereinbaren, um Missverständnisse zu minimieren.
  • Notfallfrequenzen: In Deutschland sind bestimmte Frequenzen für Notfälle reserviert (z. B. Kanal 9 im CB-Funk als Hilfekanal). Diese sollten bekannt sein und im Notfall genutzt werden.
  • Testbetrieb: Geräte regelmäßig testen, ohne andere Nutzer zu stören.
  • Alternativen: LoRa oder Satellitenkommunikation sind interessante Alternativen, aber für Bürger oft weniger praktikabel.

Rechtliche Hinweise

  • Die Nutzung von Funkgeräten im Bürgernotfunk ist in Deutschland lizenzfrei, sofern die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden.
  • Die Bundesnetzagentur überwacht die Einhaltung der Frequenznutzung und Sendeleistung.
  • Datenschutzbestimmungen (DSGVO, BDSG) sind auch im Notfunk zu beachten, insbesondere beim Umgang mit personenbezogenen Daten.

Abschluss: Für wen lohnt sich Bürgernotfunk?

Bürgernotfunk ist eine sinnvolle Ergänzung zur offiziellen Notfallkommunikation, insbesondere für Bürger, die sich auf Notfälle vorbereiten möchten. Er bietet eine unabhängige Kommunikationsmöglichkeit, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen. Die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ermöglichen einen niedrigschwelligen Einstieg mit einfachen und günstigen Geräten.

Allerdings hat Bürgernotfunk auch Grenzen: Die Reichweite ist begrenzt, die Kommunikation kann durch Störungen beeinträchtigt werden, und es gibt keine Garantie auf eine funktionierende Verbindung. Für eine effektive Nutzung sind daher regelmäßige Übungen und eine gute Organisation im lokalen Umfeld wichtig.

Interessierte Bürger können sich bei Fachverbänden wie dem Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) oder dem Technischen Hilfswerk (THW) über Schulungen und weiterführende Informationen informieren. Diese Organisationen bieten Kurse an, um die nötigen Fähigkeiten für den Notfunk zu vermitteln.


Quellen und Quellenkritik

Die Informationen basieren auf aktuellen Richtlinien der Bundesnetzagentur (Stand 2025), praktischen Erfahrungen von Funkamateuren und Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Für rechtliche Fragen sind immer die offiziellen Quellen maßgeblich. Die technischen Daten und Geräteempfehlungen wurden aus Fachpublikationen und Herstellerangaben zusammengetragen und auf ihre Alltagstauglichkeit und Legalität in Deutschland überprüft.


Mit diesem Artikel erhalten interessierte Bürger ohne technische Vorkenntnisse einen fundierten, praxisnahen und neutralen Überblick über den Bürgernotfunk in Deutschland – seine Bedeutung, technische Grundlagen, rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Umsetzung.

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